Golfen ist eine der am schwierigsten zu erlernenden Sportarten. Die zweitschwierigste nach Stabhochsprung. Anfänger verzweifeln an den Grundtechniken und Erfahrene überfällt der Frust, weil auf einmal nichts mehr klappt. Ausgerechnet diese Sportart habe ich für mein ambitioniertestes Projekt ausgesucht: ich will mit Golfen zu den Paralympischen Spielen 2016 in Rio. Wer es bisher noch nicht wusste, jetzt ist es raus. Es ist verrückt, weil eigentlich nicht zu realisieren. Aber ich mache es.

Bitte fragt mich nicht warum – ich kann die Frage nicht beantworten. Irgendwie ziehen mich Projekte an, die auf den ersten Moment unrealisierbar erscheinen. Es ist auch keine Frage von ich will’s allen zeigen oder jetzt erst recht. Das ist einfach ein innerer Drang, an die eigenen Grenzen zu gehen und sie zu überschreiten. Große Ziele erreichen und daran wachsen. Der Weg ist steinig, da Niederlagen und Fehler vorprogrammiert sind. Aber mein Sport hat mich nie enttäuscht. Im Erfolg wie in der Niederlage. Im Boxring oder auf dem Golfplatz vergesse ich meine Probleme. Dann fühle ich mich frei.

Das Golfprojekt ist das größte jemals von mir in Angriff genommene Ziel und es hat Potenzial zum Hero. Oder es wird zum größten Flop des Jahrhunderts. Danach sieht es gerade aus. Aber vielleicht erstmal wie es dazu kam. Das Projekt ist aus einer Schnappsidee heraus entstanden. In einer Diskussion unter Golfexperten wurde über die nächsten Olympischen Spiele in Rio 2016 gesprochen. Golfen soll wieder olympisch sein. Meine Frage war: Wird es auch paralympisch? Darauf nur Achselzucken. Es wurde recherchiert und ja, es wird paralympisch. Dann war alles klar – ich will dabei sein. Schnell wurde ein Task-force unter Leitung von Alfred Richter gebildet. Freddy fungiert seitdem als Manager. Er hat mit Callaway und der Galeria Kaufhof Köln „Hohe Straße“ die ersten Sponsoren gewonnen. Entscheidend für den Start war aber, dass der Golf- und Country Club Velderhof eine Clubmitgliedschaft ermöglicht hat und mit Mario Majchszak ein Golfpro seine Dienste unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat.

Seit April 2013 trainiere ich nun – zuerst Indoor, seit es das Wetter zulässt auf der Driving Range des Velderhofs. Es ist eine Achterbahnfahrt wie ich sie noch nicht erlebt habe. Auf der FIBO habe ich mit einem Physiotherapeuten über das Projekt gesprochen. Danach war klar, ich spiele auf der falschen Seite: rechts amputiert spielt immer links! Mist – das hatten wir nicht bedacht. Training, Videoanalyse, Golf-Fitting alles schon gemacht, aber ich spiele auf der falschen Seite. Anfängerfehler! Die Auslieferung der Schläger hat sich dadurch um sechs Wochen verschoben. Dazu kamen Probleme mit der Koordination und Balance sowie dem Rhythmus. Als Rechtshänder auf links schlagen macht mir ziemliche Probleme, auch wenn es technisch sauberer aussieht. Momentan sieht es so aus, dass es scheitert. Aber Mario und ich bleiben dran. Wir sind überzeugt, die Probleme zu lösen und das Projekt zum Erfolg zu machen. Leicht wird das nicht. Wenn es klappt, bin ich weltweit einer der Ersten, der auf einem Bein, im fortgeschrittenen Alter und dann noch auf der falschen Körperseite das Golfen erlernt und damit gleich bei den Paralympischen Spielen antritt.

Letzte Woche fragte mich ein Journalist, wie ich mit dem weltweiten Ruhm umgehen werde, wenn’s klappt?

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