Mein Training der letzten Wochen hat sich auf ein Wochenende konzentriert: den 09. und 10. August. Die Deutschen Meisterschaften der Golfer mit Behinderung waren für mich der große Turnierstart und der erste große Vergleich mit anderen Behinderten. Um’s vorweg zu nehmen – das Wochenende war grandios.

Mehrere Wochen zurück. Ich stehe seit April auf dem Platz. Nicht nur auf der Driving Range, wie noch 2013, nein, auf einem realen Golfplatz. Seit April drehe ich meine Runden. Anfangs nur 9-Loch und immer zu Fuß. Die meisten schüttelten schon dabei den Kopf, aber ich wollte nicht das Golfcart nehmen. Auch nicht bei meinem ersten 18-Loch-Turnier Anfang Mai. Ich bin die gesamte Strecke von 11 km mit Krücken gelaufen, mit dem Golfbag auf dem Rücken wohlgemerkt! Und ich bin mit Pauken und Trompeten untergegangen. Das war das erste und letzte Mal, dass ich 18-Loch nicht gefahren bin. Das war meine erste Prüfung, die richtig schmerzte. Ohne Erfahrung auf dem Platz, noch kein Vertrauen in die eigenen Schläge und dann mit zwei Single-Handicappern im Flight, die mächtig Druck aufbauten. Druck, den ich mir eigentlich selbst aufbaute.

Selbstvertrauen und Ehrgeiz – das ist so eine Sache. Beide standen mir anfangs oft im Wege, weshalb der Spaß und die Lockerheit ausblieben. Aber das sehe ich mittlerweile entspannt. Bis heute habe ich ca. 10 vorgabewirksame Turniere gespielt. Die Schläge werden konstanter, fehlerfrei sind sie noch nicht. Weshalb ich mir den Score oft kaputt spiele. Aber andere registrieren eine permanente Verbesserung. Ich werde mental immer lockerer, meine Bewegung geschmeidiger und die Schläge gewinnen an Länge und Präzision. Wenn nicht immer diese Ausreißer wären. Ich könnte locker im Bereich Bogey spielen und meinen Score nachhaltig verbessern, aber das ist einfach so, wenn man erst ein Jahr dabei ist. Ich will mich stetig entwickeln. Ich will im Golfen zu den Besten gehören!

Zurück zum Turnier. Das war einfach genial. Beeindruckende sportliche Leistungen von tollen Menschen. Frust und Freude bei den Teilnehmern lagen dicht zusammen. Ich war, wen wundert es, mit meiner Leistung nur bedingt zufrieden. Immerhin spielte ich meinen ersten Birdie! Das alleine war das Kommen wert. Und nicht zu vergessen, ich war der Einzige im Teilnehmerfeld, der ohne technische Hilfsmittel spielte! Die nicht behinderten Zuschauer hatten auf jeden Fall ihre helle Freude an den gezeigten Leistungen.

Apropos die besten Golfer mit Behinderung. Bei den Deutschen Meisterschaften wurden verschiedene Kategorien ausgespielt, aber es gab nur einen Deutschen Meister, der im Brutto-Zählspiel ermittelt wurde. Ein Plus-Handicapper hat’s gewonnen, dem man auf den ersten Blick eine Behinderung nicht ansah. Ich fand’s lächerlich, dass ein so guter Golfer den Vergleich mit Gehörlosen, Beinamputierten und Querschnittsgelähmten nötig hat, wenn er doch 99,9% der Golfer in Deutschland überlegen ist. Aber wie meinte Heinrich Popow kürzlich in einem Interview: „Inklusion ist keine Einbahnstraße.“ Vielleicht ist es auch nur gelebte Inklusion, die ansonsten in Deutschland an ihre Grenzen stößt, wie das Beispiel des Weitspringers Markus Rehm zeigte. Gerade im Sport könnte die Integration von Menschen mit Handicap problemlos gelingen, allerdings nur solange sich Behinderte nicht für Nichtbehinderte-Meisterschaften nominieren. Dann stößt Fairplay an seine Grenzen. Was ist wichtiger? Die Chancengleichheit im Spitzensport oder die Inklusion im Sport, beispielhaft für die gesamte Gesellschaft? Aber das ist ein anderes Thema, das ich nicht weiter vertiefen will – nicht jetzt.

Wie geht’s zum Thema Paralympics weiter? Rio ist organisatorisch Vergangenheit, jetzt dreht sich alles um Tokyo 2020. Die Sportgremien sitzen zusammen und beraten über eine Teilnahme von Golfen. Die Aussagen von Insidern waren widersprüchlich. Die einen meinten, Golfen ist in Tokyo auch nicht dabei, andere gingen fest von einer Teilnahme aus. Wie dem auch sei, ich kann es nicht beeinflussen. Meine Zukunft hängt nicht davon ab. Ich habe sehr viel Spaß beim Golfen, spiele weiter und versuche national und später international aktiv zu werden.

Wie meinte ein Teilnehmer zum Ende der Meisterschaft: „Schön, dass du hier bist. Dir sieht man die Behinderung wenigstens an!“

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