2009 besuchte ich einen Freund in Heidelberg. Gerade hatte ich ein Projekt abgeschlossen und ich war auf der Suche nach neuen Zielen. Es war die Zeit, in der Facebook in Deutschland seinen Durchbruch erlebte. Mein Freund und ich meinten, wir müssen in die sozialen Netze, aktiv werden in Facebook. Das Thema war schnell gefunden: Sport und Fitness für Menschen mit Handicap. Fit mit Handicap war geboren. Wir waren überzeugt, mit diesem Thema bauen wir schnell eine Community auf.

Meine beiden Trainer Ricky Barth und Markus Bremen waren sofort Feuer und Flamme für das Projekt. Schnell war ein Logo gefunden und die ersten Themen wurden diskutiert. EMS war damals noch relativ neu und so entschieden wir, als einen der ersten Beiträge ein Video zu meinem EMS-Training zu produzieren. Dieses Video war der eigentliche Start des Projekts ‚Fit mit Handicap‘ und viele Bilder und Videos sollten folgen. Der Anfang war hart. Eine Routine stellte sich nicht von alleine ein und ich musste die Beitrage langfristig planen. Darunter hat in den ersten Monaten die Spontanität gelitten. Mittlerweile ist das Erstellen der Beiträge zum täglichen Ritual geworden. Kurze, spontane Aktionen wechseln mit langfristig geplanten Themen. Das macht den Betrieb der Seite für mich und meine Trainer sehr spannend und abwechslungsreich.

Das anfängliche Ziel, die Seite als Community von Menschen mit Handicap und Sport zu etablieren, ist nicht eingetreten. Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen sollten über Sport, Trainingsmethoden und Trainingsgeräte diskutieren. Von den jetzt 500 Fans auf der Facebook-Seite haben nur wenige ein Handicap. Das hat mich anfänglich sehr enttäuscht. Wenn ich die Menschen persönlich angesprochen habe und sie kein Interesse zeigten, hat mich das förmlich gekränkt. Warum gehen andere Behinderte nicht auf meine Seite? Waren sie nicht oder noch nicht auf Facebook? Interessiert sie das Thema Sport nicht? Ist das Zeigen in der Öffentlichkeit beim Sport angstbesetzt? Irgendwie hat alles zugetroffen. Ich musste einfach akzeptieren, dass andere Menschen andere Wege und Ziele verfolgen. Manche haben sich durch meine Aktivitäten so stark bedroht gefühlt, dass sie zum Schutz ihres Lebensmodells einen Konfrontationskurs eingeschlagen haben. Da war ich total perplex.

Behinderte, die Sport treiben, gehen in einen Behindertensportverein – wie auch ich direkt nach meinem Unfalltrauma. Die Gruppe gibt Halt und Sicherheit in einer schwierigen Lebenssituation. Mir persönlich ist das irgendwann ziemlich auf die Nerven gegangen. Zu der Gefühlsduselei gesellte sich noch der Vereinsklüngel – auf so was stehe ich gar nicht und Spaß hat es auch keinen mehr gemacht. Der nächste Schritt musste also kommen. Ich wollte mein Ding machen. Sachen machen die neu, spannend und prickelnd sind und auch etwas verrückt. Ich wollte einfach Gas geben und Spaß haben. Und das mit anderen Menschen, egal ob behindert oder nicht.

Spaß hatte ich schon immer beim Sport – mein ganzes Leben lang. Bewegung gehört zu meinen täglichen Ritualen. Und das war so auch nach meinem traumatischen Unfall, bei dem ich ein komplettes Bein verloren habe. Es war doch nur ein Bein! Die restlichen 80% waren gesund und immer noch einsetzbar. Und ich habe relativ schnell entschieden: die restlichen 80% halte ich bestmöglich in Schuss. Ich finde, es gibt nichts schöneres als einen straffen athletischen Körper. Hohe Ausdauerleistung, große Beweglichkeit und Koordination, keine Rückenschmerzen, geringes statistisches Risiko für Krankheiten wie Diabetes, Alzheimer etc.. Die Liste der positiven Nebenwirkungen von Sport ist lang. Wer will das eigentlich nicht alles auch haben? Ich habe für mich entschieden: dein Leben willst du solange wie möglich selbstbestimmt und unabhängig leben. Dafür mache ich das alles!

Am 12. August 1985 um 08.00 ist mein Leben, so wie ich es mir ausgemalt hatte, jäh unterbrochen worden. Dass ich bei einem Unfall mit 21 das Bein verliere und dabei fast draufgehe, war nicht Teil meines Lebenssystems, wurde es dann aber. Die Wochen, Monate und Jahre danach waren hart, aber ich konnte mich mit Hilfe von viel Disziplin, Mut und vor allem durch die Hilfe geliebter Menschen aus der beklemmenden Situation befreien. Es gab immer wieder instabile Lebensphasen, aber eines habe ich mir seitdem geschworen: du wirst nie wieder so hilflos sein wie damals. Unabhängigkeit und Eigenständigkeit, mentale und körperliche Stärke, das sind die Eigenschaften auf die ich gesetzt habe. Das fliegt einem leider nicht zu, das muss man sich hart erarbeiten. Jeden Tag. Ein Leben lang.

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